Magersucht: Die größte Bedrohung junger Menschen - Projekt am Gymnasium Bad Essen
„Rund ein Prozent aller Mädchen erkranken an Magersucht. Das Gymnasium Bad Essen besuchen 600 Mädchen“, sagt Lehrer Peter Grieger. Statistisch gesehen sind also derzeit sechs Schülerinnen betroffen.

Nächtlicher „Besuch“ des Kühlschranks. Vor allem junge Frauen und Mädchen sind von Essstörungen betroffen. Fotos: Archiv NOZ
„Die Angaben basieren auf Daten der deutschen Krankenkassen. Und dort sind nur die jungen Frauen erfasst, die tatsächlich in ärztlicher Behandlung sind. Die Zahl der Gefährdeten und bereits Betroffenen ist also noch viel höher“, ergänzt Petra Buderath, Abteilungsleiterin im Integrativen Beratungszentrum des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Melle/Wittlage.
Wenn man dann noch wisse, das 15 Prozent der erkrankten Mädchen an den Folgen der Magersucht sterben, sei klar, wie dramatisch dieses Problem sei. Magersucht und andere Essstörungen seien die größte Bedrohung junger Menschen – noch dramatischer als Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Viele der jungen Frauen, die die Krankheit überwinden könnten, müssten zudem mit gravierenden Auswirkungen leben, zum Beispiel Unfruchtbarkeit, so Grieger.
Am Gymnasium Bad Essen sind Essstörungen Thema eines Unterrichtsprojekts, das schnell seit längerer Zeit läuft. Jetzt fand die Abschlussveranstaltung des Schuljahrs 2010/2011 statt – mit Eltern und Schülern der Klasse 7FL. Als Gastreferentin dabei ist Petra Buderath von der Diakonie. Und nicht zuletzt Magdalena Wolf, Studentin an der Universität Bielefeld. Sie begleitet das Projekt wissenschaftlich. In anderen Worten, sie schreibt ihre Magisterarbeit zum Abschluss ihres Lehramtsstudiums (Fächer Latein und Chemie) über das Unterrichtsprojekt zum Problemkreis Magersucht. Als zweiter Lehrer des GBE ist neben Peter Grieger auch Florian Lüker beteiligt.
Die Mädchen und Jungen der siebten Klasse stellten an diesem Abend die Ergebnisse ihrer Recherchen und Gespräche vor. So die verschiedenen Formen der Essstörung wie Magersucht und Ess-Brech-Sucht sowie mögliche Ursachen und Anzeichen der Krankheit.
„Wer ist möglicherweise betroffen?“, dieser Frage sind die Siebtklässler nachgegangen und haben Umfragen in der Schule durchgeführt. Mithilfe von Fragenbögen wurde untersucht, wie Mädchen und Junge sich selbst einschätzen – zu dünn, zu dick oder „genau richtig“ – und wie der beste Freund oder die beste Freundin das einschätzt.
Befragt wurden Schüler der fünften, siebten und zehnten Jahrgangsstufe. Ergebnis: Je älter die Schüler, desto häufiger kommt es vor, dass das eigene Gewicht und Aussehen als „problematisch“ bewertet wird. In den zehnten Klassen fühlte sich die Hälfte aller Mädchen zu dick – was objektiv gesehen ganz bestimmt nicht der Fall ist.
Was ist überhaupt Magersucht? Ein Zwang zur Abmagerung, der durch eine Störung der Selbstwahrnehmung verursacht wird. „Das Selbstwertgefühl definiert sich vor allem über ein niedriges Gewicht“, so Magdalena Wolf. Welche katastrophalen Konsequenzen das haben kann, zeigten Schüler in einem Videotagebuch eines Mädchens, das sich buchstäblich zu Tode gehungert hat.
Ziel des Projektes am GBE ist es, Mitschüler, Eltern und Freunde auf das Problem Essstörungen aufmerksam zu machen und damit die Voraussetzungen zu schaffen, Betroffenen helfen zu können.
Eine Anlaufstelle ist das Integrative Beratungszentrum der Diakonie, Telefon 05422/9400-80. Verschiedene Fachkräfte sind hier tätig, die zu Fragen der Sucht und Suchtprävention, der Familien-, Paar- und Lebensberatung Auskunft geben können. „Der Inhalt der Gespräche wird natürlich streng vertraulich behandelt“, betonte Petra Buderath.
Es gibt übrigens eine Außenstelle des Beratungszentrums an der Lindenstraße in Bad Essen. Nach Terminvereinbarung sind Treffen und Gespräche also auch direkt vor Ort in Bad Essen möglich.
(Aus: Wittlager Kreisblatt vom 04.07.2011, Autor: Rainer Westendorf)






